07.09.2021

Vincent O. Carter: Meine weiße Stadt und ich. Das Bernbuch

Nach 50 Jahren von Pociao und Roberto de Hollanda erstmals ins Deutsche übersetzt, jetzt neu bei Limmat!

Kontakt: Ruth Eising | +49.(0)228.25987582 | +49.(0)160.1564308 | r.eising@re-book.de

1944 als Befreier bejubelt, will ihm, dem Schwarzen, sieben Jahre später kaum jemand ein Zimmer vermieten, so gelangt er über Paris, Amsterdam und München nach Bern, wo er sich 1953 niederlässt. Hier ist er, sobald er das Haus verlässt, auf die ihm verhasste Frage gefasst: Warum bist du nach Bern gekommen? Als Antwort darauf schreibt Vincent O. Carter, "the only negro" in einer Stadt, die weißer ist als irgendeine amerikanische Stadt, ein Buch, das der Welt von damals "nicht schwarz genug" ist: Nach 50 Jahren erscheint es erstmals auf Deutsch, übersetzt von Pociao und Roberto de Hollanda, am 21. Oktober bei Limmat.

1944/45 hatte er als umjubelter GI Europa befreit; als er Jahre später wiederkommt, um sich in Paris als Schriftsteller niederzulassen, will man ihm nicht mal ein Zimmer vermieten. 1953 lässt er sich in Bern nieder, wo er als Schriftsteller und Englischlehrer arbeitet. Verlässt er das Haus, ist er jederzeit auf die ihm verhasste Frage gefasst: Warum bist du nach Bern gekommen? Und so macht sich Carter in seinem Buch auf, diese Frage, die an seinen "Grundfesten rüttelt", zu bewältigen. In immer neuen Anläufen erzählt er, warum er nicht in Paris, Amsterdam oder München geblieben ist, erzählt aus seinem Leben in Bern, wo ihn alle anstarren, von Geldsorgen, Liebesgeschichten, Reisen, Wohnungssuche, Kindheitserinnerungen aus Kansas City. Mit so unzerstörbarem Humor wie hartnäckigem Engagement und voller Ambivalenz allem Menschlichen gegenüber geht er dem Rassismus auf den Grund, der Verschiedenheit der Menschen, dem Fremdsein des Individuums in der Gesellschaft. Und zeichnet dabei ein scharf beobachtetes Porträt seiner Zeit, seiner Gesellschaft und seiner Stadt – ein schwarzer Ethnologe in einer weissen Stadt in einem weissen Land.

Presse:
"Carters Blick auf Bern und seine Bevölkerung geht weit über eine oberflächliche Kritik am herrschenden Puritanismus hinaus: Er seziert Phänomene wie die Unterdrückung der Frau, die Zerstörung der Landschaft, die Sanierung und Aushöhlung der Gebäude in der Altstadt und den zwiespältigen Umgang der Schweiz mit ihren Künstlern, Literaten und Architekten."  (Der Bund)

Vincent o. Carter, Meine weiße Stadt und ich
Aus dem amerikanischen Englisch von Pociao und Roberto de Hollanda
440 Seiten, Leinen bedruckt
ca. sFr. 34.– / € 29.–
Titel der Originalausgabe: The Bernbook. A Record of a Voyage of the Mind
ISBN 978-3-03926-009-6


Vincent O. Carter (1924–1983) wuchs in bescheidenen Verhältnissen in Kansas City auf. 1944 wurde er in die US-Armee eingezogen und war in Frankreich stationiert. Zurück in den USA, studierte er mit Unterbrüchen, in denen er als Koch bei der Union Pacific Railroad und in Detroit in einer Automobilfabrik arbeitete. Danach kehrte er nach Europa zurück und liess sich nach Aufenthalten in Paris, Amsterdam und München 1953 in Bern nieder, wo er Radiosendungen schrieb und moderierte, Englisch unterrichtete, malte und meditierte.

Pociao studierte Anglistik und Germanistik, Aufenthalte in London und New York, gründete einen eigenen Verlag. Sie übersetzte u.a. Paul und Jane Bowles, Gore Vidal, Zelda Fitzgerald, Patti Smith
und Evelyn Waugh. 2017 gewann sie den DeLillo-Übersetzungswettbewerb.

Roberto de Hollanda wuchs in Südamerika und Europa auf, studierte Politikwissenschaften und Soziologie, schreibt Drehbücher, macht Dokumentarfilme, übersetzte u.a. Gonzalo Torrente Ballester, Rodrigo Rey Rosa und Kent Haruf.